Shimano-Schaltung einstellen auf einen Blick
- Die Reihenfolge ist nicht beliebig: erst Schaltauge prüfen, dann H-Anschlag, dann L-Anschlag, dann B-Schraube, dann Zugspannung. Wer mit der Zugspannung anfängt, stellt gegen einen Fehler an, der weiter unten sitzt.
- H-Anschlag: Shimano definiert ihn so, dass die Mitte des oberen Schaltwerksröllchens mit der Außenkante des kleinsten Ritzels fluchtet.
- L-Anschlag: Die Mitte des oberen Röllchens steht unter der Mitte des größten Ritzels.
- B-Schraube: Bei den aktuellen 12-fach-Schaltwerken wird sie über die beiliegende Lehre und deren Markierungen eingestellt, nicht nach Millimetern. Nur für die langen 1-fach-Käfige RD-M9120, M8120 und M7120 nennt Shimano einen Zahlenwert: 46 mm zwischen Röllchen und größtem Ritzel. Ältere Gruppen: 5–6 mm bei Kassetten bis 42 Zähne, 8–9 mm bis 46 Zähne.
- Zugspannung: Shimano beschreibt für die SIS-Einstellung, den Zugspannungseinsteller zunächst bis zum Anschlag hineinzudrehen und dann fünf Klicks gegen den Uhrzeigersinn zurückzudrehen — das ist die Ausgangsstellung, von der aus feinjustiert wird.
- Drehmomente: Schaltwerk am Schaltauge 8–10 N·m, Zugklemmschraube 6–7 N·m.
- Fazit in einem Satz: Eine Shimano-Schaltung stellt man nicht nach Gehör ein, sondern in der vorgegebenen Reihenfolge — und meistens ist das eigentliche Problem ein verbogenes Schaltauge.
Eine Schaltung, die springt, hakt oder in einem Gang rasselt, ist der häufigste Grund, warum ein Mountainbike in der Werkstatt landet. In den meisten Fällen zu Unrecht: Die Einstellung ist eine überschaubare Arbeit, wenn man sie in der richtigen Reihenfolge macht. Und genau daran scheitert es fast immer.
Diese Anleitung folgt der Systematik, die Shimano in seinen Händlerhandbüchern vorgibt. Die dort genannten Werte stehen im Text ausdrücklich als Herstellerangabe — alles andere ist Erfahrung aus der Praxis und als solche gekennzeichnet.
Schritt 0: das Schaltauge prüfen — bevor du irgendetwas verstellst
Das Schaltauge ist das kleine Aluminiumteil, mit dem das Schaltwerk am Rahmen hängt. Es ist bewusst als Sollbruchstelle ausgelegt und verbiegt sich schon dann, wenn das Rad einmal unglücklich auf die rechte Seite fällt. Ein verbogenes Schaltauge lässt sich durch keine Einstellung ausgleichen — du drehst dann an Anschlägen herum und machst die Sache schlimmer.
Der Sichttest: Stell dich hinter das Rad und peile von hinten auf das Schaltwerk. Die beiden Röllchen und der Käfig müssen in einer Ebene mit dem Ritzelpaket stehen. Kippt der Käfig sichtbar nach innen, ist das Schaltauge krumm.
Sauber messen lässt sich das nur mit einer Schaltaugenlehre. Wer keine hat, bringt das Rad für diesen einen Handgriff in die Werkstatt — er kostet wenig und erspart eine Stunde Frust. Mehr dazu im Beitrag Schaltauge verbogen.
Prüfe im selben Zug die Kette. Eine gelängte Kette springt unter Last, egal wie gut die Schaltung eingestellt ist. Die Verschleißgrenze und die Messung stehen im Beitrag Fahrradkette reinigen.
Was du brauchst
- Kreuzschlitz- oder Inbusschlüssel für die Anschlagschrauben (Shimano verwendet je nach Gruppe beides)
- Inbus 5 mm für die Befestigungsschraube, Inbus 4 mm oder 5 mm für die Zugklemmschraube
- Drehmomentschlüssel
- Seitenschneider und eine Endkappe, falls der Zug erneuert wird
- Montageständer — die Kurbel muss frei drehen können
- Bei 12-fach: die Einstelllehre, die dem Schaltwerk beiliegt
Schritt 1: den H-Anschlag setzen
Der H-Anschlag (High) begrenzt, wie weit das Schaltwerk nach außen wandert. Er verhindert, dass die Kette über das kleinste Ritzel hinaus zwischen Ritzelpaket und Rahmen fällt.
Schalte auf das kleinste Ritzel. Hänge den Schaltzug dafür aus oder lass ihn völlig spannungsfrei — der Anschlag soll ohne Zugkraft eingestellt werden. Dann drehst du die mit H markierte Schraube, bis die Bedingung erfüllt ist:
Die Mitte des Führungsröllchens fluchtet mit der Außenkante des kleinsten Ritzels.
Shimano, Händlerhandbuch MTB-Schaltwerke (DM-MARD001)
Peile dazu von hinten. Im Uhrzeigersinn gedreht wandert das Schaltwerk nach innen, gegen den Uhrzeigersinn nach außen. Das gilt für beide Anschlagschrauben.
Schritt 2: den L-Anschlag setzen
Der L-Anschlag (Low) begrenzt den Weg nach innen. Er ist der wichtigere der beiden: Wandert das Schaltwerk zu weit, springt die Kette zwischen größtes Ritzel und Speichen — im schlimmsten Fall zieht sie das Schaltwerk in die Speichen und zerstört Laufrad, Schaltwerk und Schaltauge in einer Umdrehung.
Schalte auf das größte Ritzel — bei ausgehängtem Zug schiebst du das Schaltwerk dafür von Hand nach innen. Dann stellst du die mit L markierte Schraube so ein, dass die Mitte des Führungsröllchens unter der Mitte des größten Ritzels steht.
Wenn du unsicher bist, geh von innen an den Punkt heran: L-Schraube etwas zu weit hineindrehen, dann in kleinen Schritten öffnen, bis die Kette gerade sauber auf dem großen Ritzel läuft. So kann sie zu keinem Zeitpunkt über das Ritzel hinausrutschen.
Schritt 3: die B-Schraube — der Abstand, den fast niemand einstellt
Die B-Schraube regelt den Abstand zwischen dem oberen Schaltwerksröllchen und dem Ritzelpaket. Ist er zu klein, rattert die Schaltung auf den großen Ritzeln und schaltet träge. Ist er zu groß, wird das Schalten auf den kleinen Ritzeln unpräzise und die Kettenführung schlecht.
Und hier ist der Punkt, an dem sich die Generationen unterscheiden — deshalb ist der pauschale Millimeterwert, den man überall liest, meistens falsch für dein Schaltwerk:
| Schaltwerk | Vorgabe von Shimano |
|---|---|
| Aktuelle 12-fach-Schaltwerke | Einstellung über die beiliegende Lehre und deren Markierungen — kein Millimeterwert |
| RD-M9120 / M8120 / M7120 (SGS, 1-fach) | 46 mm zwischen Röllchen und größtem Ritzel |
| Ältere Gruppen, Kassette bis 42 Zähne | 5–6 mm |
| Ältere Gruppen, Kassette bis 46 Zähne | 8–9 mm |
Eingestellt wird immer auf dem größten Ritzel, weil dort der Abstand am kleinsten ist. Wichtig: Bei Fullys ändert sich dieser Abstand über den Federweg. Shimano stellt deshalb bei einigen Modellen im ausgefederten Zustand ein — steht in deinem Handbuch etwas anderes, gilt dein Handbuch.
Schritt 4: Zug einhängen und Grundspannung setzen
Jetzt kommt der Schaltzug. Schalte den Schalthebel auf die Position für das kleinste Ritzel — bei Shimano ist das die Stellung, in der der Zug am wenigsten gespannt ist.
Für die Ausgangsstellung des Zugspannungseinstellers beschreibt Shimano ein festes Verfahren: den Einsteller zunächst vollständig hineindrehen und dann fünf Klicks gegen den Uhrzeigersinn zurückdrehen. Damit hast du in beide Richtungen Spielraum für die Feinjustage — und genau das ist der Sinn der Vorgabe.
Zug straff ziehen, ohne das Schaltwerk zu bewegen, und unter der Klemmschraube fixieren. Achte darauf, dass der Zug in der dafür vorgesehenen Nut liegt — läuft er daneben, stimmt die Übersetzung nicht mehr. Klemmschraube mit 6 bis 7 N·m anziehen.
Wenn du das Schaltwerk komplett montierst: Die Befestigungsschraube am Schaltauge zieht Shimano mit 8 bis 10 N·m an.
Schritt 5: die Feinjustage — hier entscheidet sich alles
Kurbel drehen und einen Gang nach innen schalten, also auf das zweitkleinste Ritzel. Was jetzt passiert, sagt dir, in welche Richtung du drehen musst:
- Die Kette geht nicht oder nur zögernd hoch: zu wenig Zugspannung. Einsteller gegen den Uhrzeigersinn drehen, in Viertelumdrehungen.
- Die Kette springt sofort zwei Ritzel weiter oder rasselt oben: zu viel Zugspannung. Einsteller im Uhrzeigersinn drehen.
Arbeite dich dann das ganze Ritzelpaket hinauf und wieder hinunter und korrigiere in kleinen Schritten. Die Faustregel aus der Praxis: Wenn ein einzelner Gang rasselt, ist es die Zugspannung. Wenn die ganze Kassette in einer Richtung schlecht schaltet, sitzt der Fehler beim Anschlag oder bei der B-Schraube.
Zum Schluss die beiden Extremgänge unter Last prüfen — nicht im Ständer, sondern auf der Straße. Ein Antrieb, der im Montageständer perfekt läuft, kann unter Zug ganz anders reagieren.
Wenn es trotzdem nicht sauber wird
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache |
|---|---|
| Schaltet innen gut, außen schlecht | Zugreibung — Außenhülle oder Innenzug verschlissen |
| Schaltet in eine Richtung träge | Zug schwergängig, Endkappen verquetscht, Hülle zu kurz |
| Kette springt unter Last | Kette gelängt oder Kassette verschlissen — keine Einstellungsfrage |
| Alles wandert nach ein paar Kilometern | Zug hat sich gesetzt: einmal nachjustieren, das ist normal |
| Nichts wird richtig | Schaltauge verbogen. Zurück zu Schritt 0. |
Ein neuer Schaltzug samt Außenhülle kostet wenig und behebt einen erstaunlich großen Teil aller Schaltprobleme. Wenn dein Zug älter als zwei Jahre ist oder das Rad einen Winter im Nassen hinter sich hat, fang damit an, bevor du lange justierst.
Häufige Fragen zum Einstellen der Shimano-Schaltung
In welcher Reihenfolge stellt man eine Shimano-Schaltung ein?
Schaltauge prüfen, H-Anschlag, L-Anschlag, B-Schraube, dann Zugspannung. Die Anschläge werden ohne Zugspannung gesetzt, die Feinjustage kommt zuletzt. Wer mit der Zugspannung beginnt, korrigiert einen Fehler, der weiter unten in der Kette der Einstellungen sitzt.
Wie weit muss die B-Schraube am Shimano-Schaltwerk eingestellt werden?
Bei aktuellen 12-fach-Schaltwerken über die beiliegende Lehre und deren Markierungen, nicht nach Millimetern. Für die langen 1-fach-Käfige RD-M9120, M8120 und M7120 nennt Shimano 46 mm. Bei älteren Gruppen gelten 5 bis 6 mm bei Kassetten bis 42 Zähne und 8 bis 9 mm bis 46 Zähne.
In welche Richtung dreht man die Zugspannungsschraube?
Gegen den Uhrzeigersinn erhöht die Zugspannung — die Kette geht leichter auf die größeren Ritzel. Im Uhrzeigersinn verringert sie die Spannung. Justiere in Viertelumdrehungen und schalte nach jeder Korrektur durch.
Was bedeuten H und L am Schaltwerk?
H steht für High und begrenzt den Weg nach außen zum kleinsten Ritzel, L für Low und begrenzt den Weg nach innen zum größten Ritzel. Beide Schrauben legen nur die Endpunkte fest; das Schalten dazwischen macht die Zugspannung.
Warum rasselt meine Schaltung nur in einem einzigen Gang?
Das ist fast immer die Zugspannung. Eine Viertelumdrehung am Einsteller in die Richtung, aus der die Kette kommt, reicht meist. Rasselt es dagegen über mehrere Gänge hinweg, prüfe zuerst das Schaltauge und die Kette.
Mit welchem Drehmoment wird das Shimano-Schaltwerk angezogen?
Shimano gibt für die Befestigung am Schaltauge 8 bis 10 N·m an und für die Zugklemmschraube 6 bis 7 N·m. Steht auf deinem Bauteil ein abweichender Wert, gilt dieser.
Gilt diese Anleitung auch für SRAM?
Die Reihenfolge ja, die Werte nicht. SRAM stellt den Abstand zum Ritzel als Chain Gap ein und misst dabei am zweitgrößten Ritzel und im Sag, also mit belastetem Fahrwerk. Das ist ein anderer Ansatz als bei Shimano — Einzelheiten im Beitrag zur SRAM-Schaltung.
Weiterlesen
Der herstellerunabhängige Überblick mit der Reihenfolge und den Skizzen: MTB-Schaltung einstellen. SRAM-Schaltung einstellen — warum Chain Gap etwas anderes ist als die B-Schraube. Schaltauge verbogen erkennen und richten. Kettenlänge bestimmen.
Quellen
- Shimano, Händlerhandbuch MTB-Schaltwerke, Dokument DM-MARD001 (Anschlagdefinitionen, B-Schrauben-Vorgaben, SIS-Einstellung, Drehmomente), si.shimano.com
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