MTB-Schaltung einstellen auf einen Blick
- Die Reihenfolge ist das Entscheidende und bei jeder Schaltung dieselbe: Schaltauge prüfen, H-Anschlag, L-Anschlag, Abstand zum Ritzelpaket, Zug einhängen, Feinjustage.
- Die Anschläge werden ohne Zugspannung gesetzt. Sie legen nur die beiden Endpunkte fest — H den Weg nach außen zum kleinsten Ritzel, L den Weg nach innen zum größten.
- Das Schalten dazwischen macht die Zugspannung. Justiert wird am Zugspannungseinsteller, in Viertelumdrehungen.
- Nur ein Schritt ist herstellerabhängig: der Abstand zwischen oberem Schaltwerksröllchen und Ritzelpaket. Shimano nennt ihn B-Schrauben-Abstand, SRAM Chain Gap — gemessen wird an verschiedenen Stellen und in verschiedenen Fahrwerksstellungen.
- Die häufigste Ursache für eine Schaltung, die sich nicht einstellen lässt, ist ein verbogenes Schaltauge. Deshalb steht es an Stelle null.
- Zweithäufigste Ursache: eine gelängte Kette oder ein schwergängiger Schaltzug. Beides lässt sich durch keine Einstellung ausgleichen.
- Fazit in einem Satz: Wer die Reihenfolge einhält, braucht für eine MTB-Schaltung selten mehr als zwanzig Minuten — wer irgendwo in der Mitte anfängt, dreht eine Stunde im Kreis.
Eine Schaltung, die springt, hakt oder in einem Gang rasselt, ist der häufigste Grund, warum ein Mountainbike in die Werkstatt kommt. In den meisten Fällen zu Unrecht: Die Einstellung ist eine überschaubare Arbeit — vorausgesetzt, man macht sie in der richtigen Reihenfolge.
Dieser Beitrag beschreibt das Prinzip, das für jede Kettenschaltung gilt, unabhängig vom Hersteller. Die genauen Zahlen — Millimeterwerte, Drehmomente, Messpunkte — unterscheiden sich zwischen Shimano und SRAM erheblich; sie stehen in den beiden verlinkten Beiträgen.
Die Reihenfolge
Jeder Schritt setzt auf dem vorherigen auf. Wer die Zugspannung justiert, obwohl der L-Anschlag falsch steht, korrigiert ein Symptom und nicht die Ursache — und muss von vorn anfangen, sobald er den Anschlag berührt.

Schritt 0: das Schaltauge
Das Schaltauge ist das kleine Aluminiumteil, mit dem das Schaltwerk am Rahmen hängt. Es ist bewusst als Sollbruchstelle ausgelegt und verbiegt sich schon, wenn das Rad einmal auf die rechte Seite fällt.
Das Leitsymptom für ein verbogenes Schaltauge ist eindeutig: Die Schaltung lässt sich nicht über den gesamten Kassettenbereich sauber einstellen. Du drehst am Einsteller, die kleinen Ritzel werden gut, die großen rasseln — drehst du zurück, kippt es in die andere Richtung.
Der Sichttest: von hinten in Fahrtrichtung peilen. Die beiden Schaltwerksröllchen und der Käfig müssen in der Ebene der Ritzel stehen. Kippt der Käfig nach innen, ist das Schaltauge krumm. Kleinere Abweichungen findet nur eine Schaltaugenlehre — mehr dazu im Beitrag Schaltauge verbogen.
Prüfe im selben Zug Kette und Zug. Eine gelängte Kette springt unter Last, egal wie gut die Schaltung eingestellt ist (Kettenverschleiß messen), und ein alter, schwergängiger Schaltzug macht jede Feinjustage zunichte. Ein neuer Zug samt Außenhülle kostet wenig und behebt einen erstaunlich großen Teil aller Schaltprobleme.
H und L: die beiden Anschläge
Die beiden Anschlagschrauben tun nur eines: Sie begrenzen, wie weit das Schaltwerk nach außen und nach innen wandern kann. Mit dem Schalten dazwischen haben sie nichts zu tun.

- H steht für High und begrenzt den Weg nach außen zum kleinsten Ritzel. Ohne ihn fällt die Kette zwischen Ritzelpaket und Rahmen.
- L steht für Low und begrenzt den Weg nach innen zum größten Ritzel. Er ist der wichtigere von beiden: Wandert das Schaltwerk zu weit, zieht die Kette es in die Speichen — das kostet Laufrad, Schaltwerk und Schaltauge in einer einzigen Umdrehung.
Beide werden ohne Zugspannung gesetzt: Zug aushängen oder vollständig entlasten, das Schaltwerk von Hand in die jeweilige Endstellung bringen und die Schraube so weit drehen, bis es dort steht, wo es stehen soll. Im Uhrzeigersinn wandert das Schaltwerk nach innen, gegen den Uhrzeigersinn nach außen — bei beiden Schrauben.
Beim L-Anschlag lohnt es sich, von der sicheren Seite heranzugehen: Schraube etwas zu weit hineindrehen, dann in kleinen Schritten öffnen, bis die Kette gerade sauber auf dem größten Ritzel läuft. So kann sie zu keinem Zeitpunkt darüber hinausrutschen.
Wo genau die Endstellung liegt, ist herstellerabhängig. Shimano definiert sie über die Lage des Führungsröllchens zum Ritzel; die genauen Formulierungen stehen im jeweiligen Händlerhandbuch.
Der Abstand zum Ritzelpaket — hier trennen sich die Hersteller
Das obere Schaltwerksröllchen muss einen bestimmten Abstand zum Ritzelpaket haben. Ist er zu klein, rattert die Schaltung auf den großen Ritzeln und schaltet träge; ist er zu groß, wird sie auf den kleinen Ritzeln unpräzise.
Das Prinzip ist bei allen Schaltungen gleich — die Ausführung nicht:
| Shimano | SRAM | |
|---|---|---|
| Name | B-Schrauben-Abstand | Chain Gap |
| Gemessen am | größten Ritzel | zweitgrößten Ritzel |
| Fahrwerksstellung | ohne Sag | im Sag, also mit belastetem Fahrwerk |
Wer die Werte des einen Systems auf das andere anwendet, stellt zuverlässig falsch ein. Das ist der Punkt, an dem dieser Beitrag endet und die beiden herstellerspezifischen Anleitungen anfangen.
Bei den neuesten SRAM-Antrieben der Transmission-Generation entfällt die Einstellung ganz: Dort gibt es weder B-Schraube noch Anschlagschrauben, die Position ergibt sich aus der Montage.
Zug einhängen und feinjustieren
Erst jetzt kommt der Schaltzug. Schalthebel in die Stellung für das kleinste Ritzel bringen, Zug straff ziehen, ohne das Schaltwerk zu bewegen, und unter der Klemmschraube fixieren. Achte darauf, dass der Zug in der vorgesehenen Führungsnut liegt — läuft er daneben, stimmt die Übersetzung nicht mehr. Das Anzugsmoment steht im Handbuch und ist bei beiden Herstellern deutlich unterschiedlich.
Dann wird geschaltet und nachgedreht — in Viertelumdrehungen, nie mehr.

Arbeite dich das ganze Ritzelpaket hinauf und wieder hinunter. Zum Schluss die beiden Extremgänge unter Last prüfen — auf der Straße, nicht im Montageständer. Ein Antrieb, der im Ständer perfekt läuft, kann unter Zug ganz anders reagieren.
Wenn es trotzdem nicht sauber wird
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache |
|---|---|
| Ein einzelner Gang rasselt | Zugspannung — eine Viertelumdrehung |
| Eine ganze Richtung schaltet schlecht | Anschlag oder Abstand zum Ritzelpaket |
| Nichts lässt sich über die ganze Kassette einstellen | Schaltauge verbogen |
| Schaltet innen gut, außen schlecht | Zugreibung — Außenhülle oder Innenzug verschlissen |
| Kette springt unter Last | Kette gelängt oder Kassette verschlissen — keine Einstellungsfrage |
| Alles wandert nach wenigen Kilometern | Der Zug hat sich gesetzt: einmal nachjustieren, das ist normal |
Weiter zu deiner Schaltung
Die konkreten Werte — Anschlagdefinitionen, Millimeter, Drehmomente, Messverfahren — stehen in den beiden herstellerspezifischen Anleitungen:
- Shimano-Schaltung einstellen — H- und L-Definition nach Händlerhandbuch, B-Schrauben-Vorgaben je Gruppe, die SIS-Grundeinstellung und die Drehmomente.
- SRAM-Schaltung einstellen — Chain Gap am zweitgrößten Ritzel und im Sag, die T-Type-Montage ohne B-Schraube, die Drehmomente.
Wenn du einen Zweifach- oder Dreifach-Antrieb fährst, gehört der vordere Umwerfer dazu: Umwerfer einstellen. Und wenn du beim Arbeiten merkst, dass die Kette nicht die richtige Länge hat: Kettenlänge bestimmen.
Häufige Fragen zum Einstellen der MTB-Schaltung
In welcher Reihenfolge stellt man eine MTB-Schaltung ein?
Schaltauge prüfen, H-Anschlag, L-Anschlag, Abstand zum Ritzelpaket, Zug einhängen, Feinjustage. Die Anschläge werden ohne Zugspannung gesetzt. Diese Reihenfolge gilt bei jedem Hersteller; nur die Werte unterscheiden sich.
Was bedeuten H und L am Schaltwerk?
H steht für High und begrenzt den Weg nach außen zum kleinsten Ritzel, L für Low und begrenzt den Weg nach innen zum größten Ritzel. Beide legen nur die Endpunkte fest — das Schalten dazwischen macht die Zugspannung.
In welche Richtung dreht man den Zugspannungseinsteller?
Gegen den Uhrzeigersinn erhöht die Zugspannung, die Kette geht leichter auf die größeren Ritzel. Im Uhrzeigersinn verringert sie die Spannung. Justiere in Viertelumdrehungen und schalte nach jeder Korrektur durch.
Warum lässt sich meine Schaltung nicht über alle Gänge einstellen?
Das ist das Leitsymptom für ein verbogenes Schaltauge. Wenn die kleinen Ritzel gut laufen, sobald die großen rasseln — und umgekehrt —, sitzt der Fehler nicht in der Zugspannung. Prüfe zuerst das Schaltauge, dann Kette und Schaltzug.
Ist das Einstellen bei Shimano und SRAM gleich?
Die Reihenfolge ja, die Werte nicht. Der wichtigste Unterschied liegt beim Abstand zum Ritzelpaket: Shimano misst am größten Ritzel und ohne Sag, SRAM am zweitgrößten und mit belastetem Fahrwerk. Auch die Drehmomente unterscheiden sich deutlich.
Wie lange dauert das Einstellen der Schaltung?
Bei eingehaltener Reihenfolge und intaktem Schaltauge zwanzig Minuten, die Probefahrt nicht mitgerechnet. Der Zeitfresser ist fast immer, dass in der Mitte angefangen wurde oder ein verschlissenes Teil die Einstellung gar nicht zulässt.
Quellen
- Shimano, Händlerhandbücher MTB-Schaltwerke und Umwerfer, si.shimano.com
- SRAM, Eagle Drivetrain und Eagle Transmission — Bedienungs- und Montageanleitungen, sram.com/service
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