Grundlagen des Mountainbikens

Grundlagen des Mountainbikens
Grundlagen des Mountainbikens

Grundlagen des Mountainbikens auf einen Blick

  • Laufradgrößen: 26 Zoll entspricht 559 mm Felgendurchmesser, 27,5 Zoll 584 mm, 29 Zoll 622 mm. 29 Zoll überrollt Hindernisse besser, 27,5 Zoll ist wendiger.
  • Rahmenmaterial: Aluminium ist der Standard, Carbon spart Gewicht — beim Canyon Spectral 360 g zwischen Carbon- und Alu-Modell. Stahl und Titan sind Nischenmaterialien.
  • Geometrie: Reach und Stack bestimmen die Passform, der Lenkwinkel die Laufruhe, der Sitzwinkel die Position am Berg, die Kettenstrebenlänge die Gewichtsverteilung.
  • Federung: Hardtail hat nur eine Federgabel, Fully zusätzlich einen Dämpfer hinten, Softtail federt über den Rahmen ohne Dämpfer.
  • Federweg: Cross Country 120/110 mm, Trail 140 bis 150 mm, Enduro 170 mm, Downhill 200 mm.
  • Bremsen: Scheibenbremse ist Standard. SRAM empfiehlt 160 bis 180 mm für Cross Country, 180 bis 200 mm für Trail, 200 bis 220 mm für Downhill.
  • Rahmengröße: Die Körpergröße ist der Einstieg, entscheidend sind laut Trek aber Reach und effektive Oberrohrlänge — nicht Sitzrohrlänge oder Überstandshöhe.

Ein Mountainbike ist für unbefestigtes, unebenes Gelände gebaut: Feldwege, Schotter, Wurzeln, Waldboden, Geröll. Dieser Beitrag geht die technischen Grundlagen der Reihe nach durch — Laufradgrößen, Rahmenmaterialien, Geometrie, Rahmengröße, Federung, Bremsen und die MTB-Typen mit ihren tatsächlichen Gewichten. Alle Zahlen sind am Ende unter „Quellen“ belegt. Wo wir etwas nicht sauber belegen konnten, steht das an der jeweiligen Stelle.

Laufradgrößen: 26, 27,5 und 29 Zoll

Die Zollangabe beschreibt den ungefähren Außendurchmesser des fertig montierten Reifens und ist damit unpräzise. Eindeutig ist die ISO- beziehungsweise ETRTO-Angabe: Sie nennt den Felgendurchmesser am Reifensitz in Millimetern. Nur dieser Wert entscheidet, ob ein Reifen auf eine Felge passt.

BezeichnungISO/ETRTOCharakterHeutige Verbreitung am MTB
26 Zoll559 mmleichteste Laufräder, wendigstes Handling, geringste Überrollfähigkeitbei neuen Mountainbikes praktisch verschwunden, weiterhin am Bestand und an Dirt- und Trialrädern
27,5 Zoll (650B)584 mmKompromiss zwischen Wendigkeit und Überrollfähigkeit, niedrigere Überstandshöhekleine Rahmengrößen, Gravity-Räder, Hinterrad bei Mullet-Aufbauten
29 Zoll622 mmbeste Überrollfähigkeit, ruhigster Geradeauslauf, größte LaufräderStandard in fast allen Kategorien vom Cross Country bis Enduro

Der physikalische Kern des Unterschieds ist der Anstellwinkel, mit dem der Reifen auf eine Kante trifft. Je größer der Raddurchmesser, desto flacher trifft der Reifen auf ein Hindernis gleicher Höhe — das Rad wird weniger abgebremst und weniger nach oben gestoßen. Für 29 Zoll gegenüber 26 Zoll wird ein rund 10 % größeres überrollbares Hindernis angeführt, dazu eine etwa 5 % längere Aufstandsfläche bei gleicher Reifenbreite. Auf der Gegenseite stehen rund 10 % mehr Laufradgewicht, dadurch trägeres Beschleunigen und Bremsen, ein längerer Radstand und eine höhere Überstandshöhe, die für Fahrer unter etwa 165 cm zum Problem werden kann.

Was wir nicht sauber belegen konnten: Diese Prozentwerte stammen aus einer Enzyklopädie-Zusammenfassung, die ihrerseits auf Angaben von Mavic-Ingenieuren in einer Fachzeitschrift verweist. Wir haben keine frei zugängliche Herstellermessung gefunden, die 26, 27,5 und 29 Zoll unter identischen Bedingungen vergleicht. Die Werte beschreiben die Größenordnung und die Richtung des Effekts, nicht mehr. Die dort ebenfalls genannte Angabe, ein 29-Zoll-Laufrad sei 39 % weniger steif als ein vergleichbares 26-Zoll-Laufrad, stammt aus der Frühzeit der 29er und ist auf heutige Laufradsätze mit Boost-Nabenbreiten nicht übertragbar — wir führen sie deshalb nicht als aktuellen Wert.

In der Praxis wählen die meisten Hersteller die Laufradgröße heute nach Rahmengröße und Einsatzzweck: 29 Zoll als Standard, 27,5 Zoll in den kleinsten Größen und dort, wo Wendigkeit und Gegenhalt beim Springen zählen. Verbreitet ist auch der Mullet-Aufbau mit 29 Zoll vorn und 27,5 Zoll hinten. Welche Kombination zu dir passt, gehört zu den Fragen vor dem Kauf eines Mountainbikes.

Rahmenmaterialien

Vier Werkstoffe sind gebräuchlich. Wichtig vorweg: Das Rahmengewicht hängt stärker vom Rohrsatz, den Wandstärken und der Bauart ab als vom Werkstoff allein. Ein gut gebauter Alurahmen kann leichter sein als ein schwer laminierter Carbonrahmen.

MaterialGewichtDauerfestigkeitReparatur und KorrosionKosten
Aluminium (Legierungen 6061, 7005)deutlich geringere Dichte als Stahl, erlaubt großvolumige Rohre bei hoher Steifigkeitkann über lange Zeit ermüdungsanfällig sein — keine echte Dauerfestigkeitsgrenzeschwer zu reparierenrund ein Fünftel des Carbonpreises
Carbon (CFK)höchstes Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht je Lage; Steifigkeit richtungsabhängig auslegbarkeine Ermüdung im metallischen Sinn, dafür empfindlich gegen punktuelle SchlägeRecycling eingeschränkt, Reparatur nur durch Fachbetriebeteuer, im Oberfeld fünfstellig
Stahl (Chromoly, Reynolds)schwerer als Aluminium, kommt mit dünneren Wandstärken aushat eine echte Ermüdungsgrenze — Belastungen darunter hält der Werkstoff unbegrenzt ausvergleichsweise einfach zu reparieren, rostet ohne Schutzteurer als Aluminium
Titan (3Al-2.5V, 6Al-4V)etwa halb so schwer wie ein Stahlrohr gleicher Zugfestigkeitextrem ermüdungsbeständigkorrodiert nicht, Schweißen verlangt Spezialbetriebeteuerste Metalloption

Wie groß der Gewichtsunterschied zwischen Aluminium und Carbon in der Praxis ausfällt, lässt sich an einem Modell mit beiden Rahmenvarianten ablesen. Canyon gibt für das Trailbike Spectral in der Carbonversion ein Komplettradgewicht ab 15,1 kg an, für die Aluminiumversion ab 15,46 kg — 360 Gramm Unterschied. Am Rennrahmen ist der Effekt größer: Das Carbon-Rahmenkit des Cross-Country-Modells Lux World Cup CFR wiegt laut Canyon 1.480 Gramm.

Hinweis: Die 360 Gramm gelten für die jeweils leichteste Ausstattungsvariante der beiden Baureihen, nicht für zwei identisch aufgebaute Räder. Ein sauberer Rahmen-gegen-Rahmen-Vergleich derselben Baureihe wird von keinem der geprüften Hersteller veröffentlicht.

Geometrie: welche Zahl was bewirkt

Jeder Hersteller veröffentlicht für jeden Rahmen eine Geometrietabelle. Fünf Werte darin bestimmen das Fahrverhalten maßgeblich.

WertDefinitionGrößerer Wert bedeutetKleinerer Wert bedeutet
Reachwaagerechter Abstand vom Tretlager zur Mitte der Steuerrohroberkantemehr Platz im Stehen, gestreckter, ruhigerkompakter, leichter nach hinten zu verlagern, leichteres Manual
Stacksenkrechter Abstand vom Tretlager zur Mitte der Steuerrohroberkanteaufrechtere Haltung, höherer Lenker ohne Spacertiefere, aggressivere Front
LenkwinkelWinkel des Gabelschafts zur Waagerechtensteiler (etwa 70°): direkteres, agileres Lenken, aber mehr Neigung zum Nicken über die Frontflacher (etwa 64°): längerer Vorbau zur Front, laufruhiger, weniger Grip in flachen Kurven
Sitzwinkel (effektiv)Winkel der Linie vom Tretlager zur Sattelposition auf Fahrhöhesteiler (74 bis 78° an modernen Fullys): Becken sitzt über dem Tretlager, besser an steilen Anstiegenflacher: bequemer im Sitzen auf ebenem Grund, ungünstiger bergauf
Kettenstrebenlängewaagerechter Abstand vom Tretlager zur Hinterradachselänger: bessere Gewichtsverteilung, mehr Vorderradgrip in Kurven, stabiler, Manual schwererkürzer: leichteres Manual, verlangt mehr Druck über den Lenker für Vorderradgrip

Zwei Zusammenhänge sind dabei wichtig. Erstens hängen Reach und Stack zusammen: Ein hoher Stack lässt denselben Reach kürzer wirken, deshalb sind beide Werte nur gemeinsam aussagekräftig. Zweitens gilt als Faustwert, dass eine Kettenstrebenlänge von etwa 35 % des Radstands auch eine Gewichtsverteilung von rund 35 % auf dem Vorderrad ergibt. Ein flacher Lenkwinkel und ein steiler Sitzwinkel gehören zusammen — die moderne MTB-Geometrie kombiniert beides, um bergab Reserven zu haben, ohne bergauf über das Hinterrad zu kippen.

Hinweis zur Tretlagerabsenkung: Sie wird oft mitdiskutiert, ihre Bedeutung wird aber überschätzt. Entscheidend für das Handling ist die absolute Tretlagerhöhe über dem Boden, nicht die Absenkung gegenüber der Radachslinie — beim Wechsel der Laufradgröße ändert sich bei gleicher Absenkung die tatsächliche Höhe.

Die passende Rahmengröße finden

Die alte Regel, die Rahmengröße aus der Schrittlänge zu berechnen, stammt aus einer Zeit mit waagerechten Oberrohren. Sie taugt für moderne Mountainbikes nicht mehr. Trek formuliert die heutige Praxis so: Die Körpergröße ist der einfachste Einstieg, aber „Reach und effektive Oberrohrlänge“ spielen beim Vergleich von Rahmengrößen „eine größere Rolle“ als Überstandshöhe oder Sitzrohrlänge.

So gehst du vor:

  1. Nimm die Größentabelle des Herstellers zu deinem konkreten Modell als Ausgangspunkt. Größenangaben sind zwischen Marken nicht vergleichbar — ein M bei einem Hersteller kann ein L bei einem anderen sein.
  2. Vergleiche den Reach. Er bestimmt die Passform im Stehen, also bergab.
  3. Vergleiche die effektive Oberrohrlänge. Sie bestimmt die Passform im Sitzen, also bergauf und auf Tour.
  4. Liegst du zwischen zwei Größen, entscheidet der Einsatzzweck: Wer viel bergab und verspielt fährt, greift eher zur kleineren, wer Laufruhe und Tourenkomfort will, eher zur größeren Größe. Auch die Körperproportionen zählen — bei langen Beinen und kurzem Oberkörper eher kleiner.
  5. Prüfe die Sitzrohrlänge nur noch daraufhin, ob die gewünschte Teleskopstütze mit ihrem Hub in den Rahmen passt und tief genug versenkbar ist.

Was wir nicht belegen konnten: Eine herstellerübergreifend gültige Tabelle „Körpergröße zu Rahmengröße“ gibt es nicht, und Trek veröffentlicht in dem geprüften Ratgeber selbst keine. Jede pauschale Zentimetertabelle wäre geraten. Nimm die Tabelle des Herstellers, dessen Rad du kaufen willst.

Federung: Hardtail, Fully und Softtail

Nach der Art der Federung lassen sich Mountainbikes in vier Gruppen einteilen. Wie Feder, Dämpfung, Sag und Hinterbaukinematik im Einzelnen funktionieren, steht ausführlich im Beitrag zu den Mountainbike Federungssystemen.

Hardtail

Federgabel vorne, starrer Hinterbau. Weniger Lager, weniger Wartung, weniger Gewicht und ein direkterer Vortrieb. Der Nachteil ist der Kraftübertragungsverlust bergauf durch das Wippen der Gabel. Moderne Federgabeln haben dafür einen Lockout: Ein Hebel schließt die Low-Speed-Druckstufe, die Gabel verhält sich dann weitgehend wie eine starre Gabel.

Fully

Zusätzlich zur Federgabel sitzt ein Dämpfer am Hinterbau. Das Hinterrad folgt dem Untergrund, die Traktion steigt, der Fahrer wird weniger durchgeschüttelt. Der Preis sind Gewicht, Lagerspiel als Wartungsthema und ein höherer Anschaffungspreis.

Softtail

Der Hinterbau federt über die Nachgiebigkeit der Sitzstreben, ohne Dämpfer und meist ohne echten Drehpunkt; der Federweg liegt bei wenigen Zentimetern. Vorne sitzt trotzdem eine Federgabel. Die Bauart ist selten geworden, verschwunden ist sie nicht: Im Cross Country gibt es sie weiterhin, etwa im Berria Bravo mit 28 mm Federweg am Heck und 110 mm an der Front.

Rigid

Vollstarr, ohne jede Federung. Frühe Mountainbikes waren so gebaut. Heute findet man diese Bauart noch bei Trialrädern, Bikepacking-Aufbauten und bei Fahrern, die den direkten Kontakt zum Untergrund bewusst suchen.

MTB-Typen nach Einsatzzweck

Die Kategorien unterscheiden sich vor allem in Federweg, Lenkwinkel und Gewicht. Die folgende Tabelle nennt zu jeder Kategorie ein Serienmodell mit den vom Hersteller beziehungsweise im Fachtest veröffentlichten Werten — das ist belastbarer als eine geschätzte Spanne.

KategorieFederweg vorn / hintenLenkwinkelBelegtes Referenzgewicht
Cross Country (XC)120 / 110 mm66 bis 67,5°Canyon Lux World Cup CFR: ab 9,82 kg (Herstellerangabe)
Trail / All Mountain140 bis 150 mm64 bis 64,5°Canyon Spectral: ab 15,1 kg (Carbon) bzw. ab 15,46 kg (Aluminium), Herstellerangabe
Enduro170 mm (Strive CFR: 170/160 mm)63°, mit Shapeshifter 64,5°Canyon Strive CFR LTD: 16,1 kg in Größe M, gewogen im Vergleichstest; Schnitt des 14 Räder umfassenden Testfelds rund 15,9 kg
Downhill (DH)200 / 200 mm (Sender: 203/200 mm)62,8 bis 63,9°Canyon Sender CFR Underdog: 18,5 kg in Größe M (Herstellerangabe)

Was das Gewicht wirklich sagt

Korrektur gegenüber der früheren Fassung dieses Beitrags: Hier standen zuvor die Angaben Cross Country 10 bis 14 kg, All Mountain 13 bis 18 kg und Enduro 12 bis 16 kg. Diese Werte widersprachen sich. Das Enduro wurde im selben Text zwischen All Mountain und Downhill eingeordnet, war nach den Gewichtsangaben aber leichter als das All Mountain — das kann nicht beides stimmen. Für keine der drei Spannen ließ sich eine Quelle finden. Wir haben sie deshalb ersatzlos gestrichen und durch die belegten Einzelwerte in der Tabelle oben ersetzt. Die ergeben eine widerspruchsfreie Reihenfolge: Cross Country am leichtesten, dann Trail und All Mountain, dann Enduro, dann Downhill.

Drei Einschränkungen dazu. Erstens sind Herstellerangaben mit „ab“ fast immer die teuerste und leichteste Ausstattungsvariante in der kleinsten Rahmengröße — dein Rad in Größe L mit Aluminiumteilen wiegt mehr. Zweitens beziehen sich Angaben je nach Hersteller mit oder ohne Pedale, was schnell 300 bis 400 Gramm ausmacht; Canyon nennt seine Werte für die Standardausstattung in Größe M. Drittens sind „Trail“ und „All Mountain“ heute weitgehend deckungsgleiche Bezeichnungen für dieselbe Kategorie; eine trennscharfe Definition, die alle Hersteller teilen, gibt es nicht.

Trial

Trials sind Geschicklichkeitsprüfungen in schwerem Gelände oder auf künstlich angelegten Hindernisstrecken. Trial-Bikes sind ungefedert und auf maximale Beweglichkeit ausgelegt, deshalb deutlich leichter als andere Räder. Kennzeichnend sind die sehr geringe Rahmenhöhe, die fehlende oder nur angedeutete Sitzgelegenheit, eine Starrgabel und wenige Gänge, weil nur kleine Übersetzungen gebraucht werden.

Dirt Jump, Street, Urban und Fatbike

Dirt-Jump- und Street-Räder haben kurze, stabile Rahmen, meist 26 Zoll, eine kurz übersetzte Einfachschaltung oder gar keine Schaltung und eine Federgabel mit wenig Federweg. Fatbikes fahren extrem breite Reifen mit sehr niedrigem Druck und sind für weiche Untergründe wie Sand und Schnee ausgelegt — also auch für Touren im Winter.

Bremsen

Die hydraulische Scheibenbremse ist am Mountainbike Standard. Sie bremst unabhängig von Felgenzustand und Nässe, dosiert feiner und braucht weniger Handkraft als eine Felgenbremse. Zwei Größen bestimmen ihre Wirkung: der Scheibendurchmesser und die Zahl der Kolben im Bremssattel.

Scheibengröße

SRAM formuliert den Zusammenhang so: „The larger the diameter of the rotor, the more leverage it will provide, which translates to increased stopping power and better heat management.“ Eine größere Scheibe hat also einen längeren Hebelarm zur Radnabe und mehr Masse und Fläche, um Bremswärme aufzunehmen und abzugeben. Genau das entscheidet auf langen Abfahrten darüber, ob die Bremse fadet.

ScheibengrößeEmpfehlung von SRAM
140 bis 160 mmRennrad, Cyclocross, Gravel
160 bis 180 mmCross Country
180 bis 200 mmTrail
200 bis 220 mmDownhill, Freeride, E-MTB

Neben dem Durchmesser zählt die Scheibendicke. Shimano hat für den harten Einsatz dickere Scheiben nachgelegt: Bei den Modellen RT-6B750 und RT-CL750 in 200 und 220 mm stieg die Dicke von 1,75 mm auf 2,2 mm. Mehr Material bedeutet mehr Wärmekapazität und weniger Verzugsneigung.

Hinweis: Die Angaben 160, 180 und 203 mm einerseits und 160, 180, 200 und 220 mm andererseits stammen von unterschiedlichen Herstellern. Shimano hat lange 203 mm verwendet, SRAM 200 mm; die Adapter unterscheiden sich entsprechend. Prüfe vor einem Wechsel, welche maximale Scheibengröße Rahmen und Gabel freigeben — der Hersteller gibt sie an, und darüber hinauszugehen ist ein Sicherheitsrisiko.

Zwei Kolben oder vier Kolben

Im Bremssattel drücken Kolben die Beläge gegen die Scheibe. Ein Zweikolbensattel hat je einen Kolben pro Seite, ein Vierkolbensattel je zwei. Mehr Kolben bedeuten mehr Kolbenfläche, damit mehr Anpresskraft bei gleicher Handkraft, längere Beläge und eine gleichmäßigere Druckverteilung über die Belagfläche.

Shimano beschreibt die Wahl bei der DEORE-Gruppe als bewussten Kompromiss: Derselbe Bremshebel BL-M6200 lässt sich entweder mit dem „powerful four-piston caliper“ BR-M6220 oder mit der „lighter two-piston option“ BR-M6200 kombinieren. Als Faustregel: Zwei Kolben für Cross Country und leichte Touren, vier Kolben ab Trail, für schwere Fahrer, für lange Abfahrten und für E-MTBs.

Entlüften

Hydraulikflüssigkeit altert. SRAM nennt in der eigenen Serviceübersicht für DOT-Bremsflüssigkeit ein empfohlenes System-Entlüften einmal jährlich, für Mineralöl einmal alle zwei Jahre. SRAM verwendet DOT, Shimano Mineralöl — beide sind nicht mischbar. Was sonst regelmäßig ansteht, steht in der Mountainbike Wartung.

Reifen

MTB-Reifen sind breiter als Straßenreifen und haben ein grobes Stollenprofil. Die Stollen graben sich in weichen Untergrund und geben Halt, wo eine glatte Lauffläche wegrutscht. Breitere Reifen erlauben zudem niedrigeren Luftdruck, was die Aufstandsfläche vergrößert und den Grip erhöht. Die Reifengröße wird ebenfalls nach ETRTO angegeben: „57-622″ bedeutet 57 mm Reifenbreite auf 622 mm Felgendurchmesser, also ein 29-Zoll-Reifen in etwa 2,25 Zoll Breite. Was du bei einem Defekt unterwegs brauchst, steht im Beitrag zur Ausrüstung für die Tagestour.

Einsatzgrenzen: EN 17406

Nicht jedes Mountainbike darf alles. Die europäische Norm EN 17406 zur Gebrauchsklassifizierung von Fahrrädern ordnet Fahrräder Nutzungsbedingungen zu und legt für jede Klasse eine maximale Absprunghöhe fest. Grob gilt: Klasse 3 deckt raue Wege und gelegentliche Sprünge bis etwa 60 cm ab, Klasse 4 steile Abfahrten mit Absprunghöhen bis rund 120 cm, Klasse 5 den Bikepark darüber hinaus.

Einschränkung zur Quelle: Die Norm selbst ist kostenpflichtig und lag für diesen Beitrag nicht im Volltext vor. Die Klassenbeschreibungen und Höhen oben stammen aus der öffentlichen Zusammenfassung eines Fahrradhändlers, also nicht aus der Primärquelle. Verbindlich ist die Gebrauchsklasse, die der Hersteller für deinen Rahmen angibt — sie steht in der Betriebsanleitung und ist im Garantiefall die Grundlage.

Die Grundlagen sind nur der Anfang

Wer die Zahlen hinter Laufradgröße, Geometrie, Federweg und Bremse einmal einordnen kann, liest jede Geometrietabelle und jedes Datenblatt anders. Wenn du gerade erst anfängst, helfen dir die Einsteigertipps beim Start. Für die Planung deiner Touren lohnt sich ein Blick auf GPS und Navigation, und was eine Strecke fahrtechnisch ausmacht, steht unter Eigenschaften einer guten Mountainbikestrecke.

Häufige Fragen zu den Grundlagen des Mountainbikens

26, 27,5 oder 29 Zoll — welche Laufradgröße soll ich nehmen?

29 Zoll (ETRTO 622 mm) ist heute der Standard in fast allen Kategorien: bessere Überrollfähigkeit, ruhigerer Geradeauslauf. 27,5 Zoll (584 mm) findet sich in kleinen Rahmengrößen, an Gravity-Rädern und als Hinterrad in Mullet-Aufbauten, wo Wendigkeit zählt. 26 Zoll (559 mm) ist bei neuen Mountainbikes praktisch verschwunden und lebt an Dirt- und Trialrädern sowie im Bestand weiter.

Wie viel wiegt ein Mountainbike?

Das hängt stark von Kategorie, Rahmengröße und Ausstattung ab. Als belegte Anhaltspunkte: Canyon nennt für das Cross-Country-Modell Lux World Cup CFR ab 9,82 kg, für das Trailbike Spectral ab 15,1 kg in Carbon, für das Downhill-Modell Sender CFR Underdog 18,5 kg in Größe M. Ein Enduro der Oberklasse wog im Vergleichstest 2024 16,1 kg, das Testfeld im Schnitt rund 15,9 kg. Herstellerangaben mit „ab“ beziehen sich fast immer auf die leichteste Variante in der kleinsten Größe.

Carbon oder Aluminium — lohnt sich der Aufpreis?

Gewichtsmäßig ist der Unterschied kleiner, als viele erwarten: Beim Canyon Spectral liegen zwischen der leichtesten Carbon- und der leichtesten Aluminiumvariante 360 Gramm, bei rund einem Fünftel der Materialkosten für Aluminium. Carbon erlaubt dafür eine gezielte Auslegung der Steifigkeit in verschiedene Richtungen. Aluminium hat keine echte Dauerfestigkeitsgrenze und kann über lange Zeit ermüden, ist aber unempfindlicher gegen Schrammen.

Was sind Reach und Stack und warum stehen sie in jeder Geometrietabelle?

Reach ist der waagerechte, Stack der senkrechte Abstand vom Tretlager zur Mitte der Steuerrohroberkante. Beide Werte sind unabhängig von Sattelposition und Vorbau und deshalb zwischen Rädern vergleichbar — anders als die Sitzrohrlänge. Ein hoher Stack lässt denselben Reach kürzer wirken, weshalb beide Werte nur gemeinsam aussagekräftig sind.

Wie finde ich die richtige Rahmengröße?

Nimm die Größentabelle des Herstellers zu deinem Modell als Einstieg und vergleiche dann Reach und effektive Oberrohrlänge. Trek weist ausdrücklich darauf hin, dass diese beiden Werte beim Vergleich eine größere Rolle spielen als Überstandshöhe oder Sitzrohrlänge. Liegst du zwischen zwei Größen, entscheiden Fahrstil und Körperproportionen. Eine markenübergreifende Zentimetertabelle gibt es nicht.

Welche Bremsscheibengröße brauche ich?

SRAM empfiehlt 160 bis 180 mm für Cross Country, 180 bis 200 mm für Trail und 200 bis 220 mm für Downhill, Freeride und E-MTB. Größere Scheiben haben mehr Hebelarm und nehmen mehr Wärme auf. Beachte, dass Shimano traditionell 203 mm statt 200 mm verwendet, und prüfe die vom Rahmen- und Gabelhersteller freigegebene maximale Scheibengröße.

Was unterscheidet ein Hardtail von einem Fully und einem Softtail?

Ein Hardtail hat eine Federgabel vorne und einen starren Hinterbau. Ein Fully hat zusätzlich einen Dämpfer am Hinterbau. Ein Softtail federt hinten nur über die Nachgiebigkeit der Sitzstreben, ohne Dämpfer und meist ohne echten Drehpunkt, mit wenigen Zentimetern Federweg — vorne sitzt trotzdem eine Federgabel. Beispiel für ein aktuelles Softtail ist das Berria Bravo mit 28 mm hinten und 110 mm vorn.

Weiterlesen

Quellen

Stand der Recherche: September 2026. Modell- und Herstellerangaben ändern sich mit dem Modelljahr — maßgeblich ist die Unterlage zu deinem konkreten Rad.

Über Downhill-Freak 15 Artikel
Schreibt auf mountainbike.top über Bikes und alles, was bergab geht: Downhill und Enduro, Bikeparks und Flowtrails — und die Technik, die das aushalten muss.

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